Giftpilze, Pilzgifte und Pilzvergiftungen - Fortbildung für Ärzte und Mykologen

.. das war der Titel einer Fortbildung der Toxikologischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar unter Beteiligung der BMG. 

Dr. Christoph Hahn referierte im Namen der BMG über die Problematik der nicht geschützten Begriffe "Pilzberater" und "Pilzsachverständiger" und zeigte auf, wie sich die Prüfungsordnungen zwischen Pilzberater und Pilzsachverständiger innerhalb der BMG unterscheiden und wie andere Pilzvereine die Begriffe auslegen. An die anwesende Ärzteschaft gerichtet stellte Dr. Christoph Hahn klar, dass Pilzberater / Pilzsachverständige ehrenamtlich arbeiten und dem Arzt nur Hilfestellung leisten können. Für Diagnose und Behandlung sei letztendlich immer der Arzt alleine verantwortlich, zumal die Pilzbestimmung aus Essensresten oder Erbrochenem letztendlich nie 100% eindeutig sein kann. Auch könne ein Pilzsachverständiger immer nur weitergeben, was er bestimmen konnte. Dies schließe aber nicht aus, dass noch weitere unbekannte Pilze verzehrt wurden, welche letztendlich auch für die Symptome verantwortlich sein könnten. Am Schluss des Vortrags stand die Bitte an die Ärzteschaft, die mitwirkenden Pilzsachvertändigen im Nachgang über Therapie und Verlauf der Behandlung zu informieren. Oft hätten die Pilzsachverständigen viel Zeit und Nerven in die Mithilfe gesteckt und seien natürlich dann auch sehr interessiert, inwieweit die Bestimmung hilfreich war. Auch für weitere Beratungen bei zukünftigen Vergiftungsfällen wäre eine Dokumentation sowohl aus mykologischer als auch aus medizinischer Sicht wichtig. In allen Vorträgen war die Problematik der unsicheren Kombination Vergiftungsverlauf - Pilzbestimmung deutlich. Denn sowohl die Behandlung bzw. der Behandlungserfolg als auch die Pilzbestimmung erweisen sich als äußerst komplex. Nicht jeder Fall aus der klinischen Literatur kann im Nachhinein sicher mit einer Pilzart kombiniert werden - oft wurden nur Aussagen der Patienten als Anhaltspunkt genommen. Auch die bei seltenenen Syndromen geringen Fallzahlen erschweren die statistische Auswertung.  
Hier die weiteren Vorträge im Einzelnen:

"Sinnvolles und Unsinn bei der Therapie von Pilzvergiftungen, Erfahrungen aus 30 Jahren klinischer Toxikologie" (Prof. Dr. Thomas Zilker)
"Pilzberatung in Bayern: Ausbildung, Vergiftungsprävention und Hilfe bei der Diagnose von Pilzintoxikationen" (Dr. Christoph Hahn)
" „Neue“ Pilzsyndrome" (Dr. Rudi Pfab)
"Fuchsbandwurm und infektiöse Gefahren" (Dr. Clarissa Prazeres da Costa)
"Kinderunfälle mit Rasenpilzen mit speziellem Fokus auf Panaeolus foeniseccii" (Dr. Katharina Schenk-Jäger)
"ALDH Hemmung durch Echinoderma aspera und andere Pilze" (Katrin Romanek)
"Bioaktive Inhaltsstoffe aus Pilzen" (Dr. Norbert Arnold)
"Nierentoxische Amaniten" (Dr. Martin Kirchmair)
"Schwere Pilzvergiftung durch Schirmpilz? Ein unerwarteter Verlauf" und "Equestre Syndrom nach Genuss von Grünlingen" (Dr. Daniela Acquarone)

Bei den Hobbymykologen und Speisepilzsammlern besonders hängen geblieben sein dürfte der Nachweis der ADHL-Hemmung des netzstieligen Hexenröhrlings im Rahmen der Doktorarbeit von Katrin Romanek. Aber auch alle anderen Vorträge waren gleichermaßen für die anwesenden Ärzte und die vielen anwesenden Mykologen äußerst interessant und lehrreich, so dass im Anschluss der Veranstaltung noch ein reger Informationsaustausch stattfand.